Kinder fragen Annette Langen

Post für: Klasse 4a aus HamburgAnnette Langen

 

In einem kleinen Dorf,
bei Sonnenschein,
am 5. September 2014

 

 

Liebe Klasse 4a, 

 

das da auf dem Foto (ohne die langen Ohren), das bin ich und wisst ihr was? Ich war früher auch in der 4a! Deshalb kommt auch eine Klasse 3a in einem von meinen Büchern vor. ‚Das Zappeltappel’ erzählt, was in der Klasse 3a an Montagen und an Regentagen los ist. Vielleicht kennt ihr es schon? 

 

Habt dank für euren tollen Briefe und die super Gemälde. Mike, dein riesiges Flugzeug fand ich besonders spannend und ich habe sogar den Felix darauf entdeckt!  

 

Womit fange ich an? Also, vielen Dank an Lea und Anja, Euron, Elisabeth und Emely, das freut mich ganz besonders, dass euch meine Bücher so gut gefallen. Soll ich euch was verraten, manches in meinen Büchern habe ich mir gar nicht ausgedacht, sondern es ist so oder so ähnlich passiert. Ich – und ich glaube, andere Schriftsteller machen das auch - schreibe oft beim echten Leben ab. Das Beste ist, das ist nicht verboten, das darf man als Schriftsteller sogar!

 

Damit komme ich gleich zu eurer Frage, die mir am häufigsten von Kindern und Erwachsenen aus aller Welt gestellt wird und wurde. Es ist eine sehr gute Frage, eurer Euron, Mahmod und John haben mir genau diese auch gestellt:
Wie kamst du auf die Felix-Bücher?

Da musste ich mir gar nicht viel ausdenken: Drei ‚Zutaten’ aus den Felix-Büchern gab es in meinem Leben in echt.

  1. Wie Sophie bekam auch ich einen Kuschelhasen zur Geburt geschenkt, der war für mich so wichtig, wie ein Kuscheltier nur sein kann. Er ging zwar nicht auf Reisen...
  2. ... aber ich! Als Kind haben meine Eltern meinen Bruder und mich auf viele Reisen mitgenommen.
  3. Als Jugendliche hatte ich Brieffreunde in aller Welt, die ich auch besucht habe. So habe ich fast so viele Briefe wie Felix geschrieben.

Merkt ihr etwas? Der Hase, das Reisen und das Briefeschreiben sind gar nicht erfunden.

 

Euron, Mahmod und Mike haben gefragt: Wie bin ich auf den Namen  Felix gekommen? Also ehrlich gesagt, ich habe den nicht erfunden...Römer 

Den Namen Felix haben die alten Römer erfunden. Das waren die, die in Betttüchern herumgerannt sind. (Sowas muss mal sehr, sehr chick gewesen sein. Felix schüttelt bei dem Anblick nur den Kopf und sagt dazu immer: Römer)

Kann ich mir, ehrlich gesagt, auch ziemlich gut vorstellen. Aber schnell zurück zu eurer Frage: Der Name Felix bedeutet übersetzt ‚der Glückliche’. Das passt ganz genau, finde ich. Denn, wer so eine liebe Sophie hat und so viele Reisen macht, der muss einfach glücklich sein. 

 

Gabriel, Leon Philip, Mahmod und auch John, ihr wolltet gerne wissen, wie viele Bücher ich inzwischen schon geschrieben habe? 

Ehrlich gesagt, das wusste ich auch nicht so genau. Deshalb habe ich letztens mal nachgezählt und die Liste findet ihr auf meiner Website unter:
http://www.annettelangen.de/assets/files/Bibliographie_von_Annette_Langen.pdf 
Falls ihr wollt, kann ich es euch auch schon hier verraten (falls nicht, schnell bei der nächsten Frage weiterlesen!): In diesem Frühjahr waren es 85 Kinderbücher, die ich in den letzten 25 Jahren geschrieben habe. Aber das ändert sich ständig, denn in diesem Herbst 2014 kommen von mir noch zwei neue Bilderbücher heraus.

 

Leon Philip, du wolltest noch wissen, welches meiner Bücher ich am liebsten mag? 

Nun, bei mir ist das mit den Büchern so wie mit den Kindern. Ich mag jedes auf seine Art besonders gern. Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht so viele Kinder wie Bücher habe. (Zu meinen Kindern habt ihr auch Fragen gestellt. Dazu steht weiter unten noch mehr.) 

 

Leon Philip, du hast mich gefragt, ob Felix nicht einen schwarzen Hund als Freund haben kann?! 

HundDas ist so ein Zufall, denn genau so einen großen, überwiegend schwarzen Hund habe ich Felix bereits im Juli in einem neuesten Buch als Freund an die Seite gegeben. Je nachdem, was die Illustratorin schöner findet, wird der Hund vielleicht auch braun-weiß und groß. (Falls ihr jetzt wissen wollt, wann das neue Felixbuch erscheint, schaut mal weiter unten unter: Wie die Bücher hergestellt werden und wie lange das dauert!

 

Gabriel wollte noch wissen, wo ich wohne?

Wir wohnen außerhalb von einer kleinen Stadt im Bergischen Land. Gleich hinter unserem Gartentor beginnt der Wald, dort gibt es einen Bach und sogar eine kleine Höhle. Na, erinnert euch das an etwas? Diese Höhle hat mir so gut gefallen, dass sie in Ritter Wüterich und Drache Borste wieder auftaucht. 

 

Mike, du hast gefragt, ob ich schon eine Lesung gemacht habe. 

Ja, die allererste gab es vor 20 Jahren! Damals habe ich aus Briefe von Felix gelesen und im Anschluss den Kindern viele Fragen beantwortet. Tja, das hat mir so gut gefallen, dass ich heute immer noch zu Lesungen unterwegs bin. Ich habe auch schon bei euch in Hamburg, auf der Rickmer Rickmers, aus meinen Büchern gelesen. Leider bin ich in nächster Zeit nicht in Hamburg, sonst würde ich euch gerne besuchen kommen. Danke, für die nette Einladung an Euron ?.

 

Ganz viele aus der 4a wollte wissen, ob ich auch Kinder habe. 

Ja, zum Glück, denn ohne meine Kinder würde ich nur halb so viel lachen. Die beiden sind schon richtig groß. Meine Tochter heißt Isabel-Marie und ist 17 Jahre alt. Mein Sohn Benjamin wird bald 16 Jahre alt.

 

Wann habe ich Geburtstag? Das haben Lea und Anja gefragt.

Ich wurde am 29. April 1967 geboren, wollt ihr mal ausrechnen, wie alt ich jetzt bin? Ich sage euch, so alt wird kein Pferd.

 

Lea und Anja wollten auch noch wissen, wie ich die Bücher hergestellt habe. Das funktioniert mit vielen, vielen Einzelschritten. Stellt euch vor, es dauert meist an die vier Jahre, bis aus meiner ersten Idee ein fertiges Buch geworden ist! 
  1. Alles beginnt mit (m)einer Idee, sie setzt sich nach und nach wie ein Puzzle aus vielen Teilen zusammen. Erst wenn ich die Hauptfiguren ganz genau kenne und die Handlung so richtig vor mir sehe, fange ich an zu schreiben. 
  2. Ist das Manuskript fertig, sende ich es an einen Verlag. Wenn es dem Verlag gut gefällt, wird ein Vertrag geschlossen und ein Illustrator gesucht, der die Bilder zu dem Buch zeichnet. 
  3. In der Zwischenzeit wird der Test mehrfach korrigiert und gesetzt. So wie ihr einen Aufsatz mehrmals korrigieren müsst, müssen das wir Autoren auch. Bis ein Buch gedruckt wird, gibt es so viele Korrekturdurchläufe, dass es ein dicker Stapel Papier ist. 
  4. Dann ist es soweit: der Verlag gibt alle Druckunterlagen an den Drucker. Nun gibt es noch einen allerletzten Korrekturabzug, bevor das Buch gedruckt wird. 
  5. Dann wird das Buch vom Drucker an das Lagerhaus des Verlages geschickt. Manchmal ist es sechs Wochen auf einem großen Containerschiff unterwegs. 
  6. JUCHU, mein neues Buch kommt in die Buchhandlungen. 

 

Leon Philip wollte auch noch wissen, ob ich die Fernsehfolgen zu Felix gemacht habe. 

Nun, daran haben insgesamt viele hundert Leute in verschiedenen Ländern mitgearbeitet. Denn es ist wirklich seeeeeehr viel Arbeit, bis sich die Zeichentrickfiguren bewegen, bis sie ‚ihre’ Stimme haben und sprechen können. An der Geschichte für nur eine Fernsehfolge gibt es zig Korrekturen, bis endlich das Drehbuch (so nennt man beim Film oder Fernsehen die Geschichte) fertig ist. An allen Felix-Drehbüchern habe ich damals mitgearbeitet und so einige Sachen rausgestrichen, die mir gar nicht gefallen haben. Ich persönlich mag die Felixbücher am liebsten. 

 

Liebe 4a, nun habe ich all eure Fragen beantwortet. Hm, vielleicht interessiert euch dies auch noch? Denn oft werde ich von Schulklassen gefragt: Wie lange dauert es, bis du ein neues Buch geschrieben hast?

So genau kann ich das nie sagen, denn dazu gehört im Vorfeld viel Nachdenken und Ideensammeln. 

  • Bei den Felix-Büchern recherchiere ich zuerst, d.h. ich forsche genau nach, spreche mit Menschen aus den Ländern, lese in Büchern nach und surfe durchs Internet. Insgesamt dauert es ungefähr drei Monate, bis das Manuskript fertig ist. 
  • Für einen Mädchenroman, wie Mathilda, Mathilda, brauche ich drei bis sechs Monate. 
  • Am allerlängsten habe ich an Der große Felix-Weltatlas gearbeitet, das hat fast sieben Jahre gedauert!

 

Da fällt mir gerade noch etwas ein, das euch vielleicht beim nächsten Deutschaufsatz helfen könnte. Denn es gibt einen Trick beim Schreiben! Jaaah, gibt es wirklich! Soll ich ihn euch verraten?

Okay, es sind sogar zwei Tricks und die verrate ich euch jetzt: 

  1. Vor dem Schreiben stelle ich mir alles ganz genau vor - bis ich die gesamte Szene so richtig vor mir sehe. Dann erst schreibe ich es auf. Probiert das mal aus!
  2. Schreibe so wie du reden würdest, dann wird es gut.“ Dieser ausgezeichnete Geheimtrick stammt nicht von mir, sondern von Johann Wolfgang von Goethe. Schreibt einfach so, wie ihr es eurer Mama oder eurem besten Freund erzählen würdet.

 

 

So, ihr Lieben aus der Klasse 4a, das waren meine Antworten auf eure tollen Fragen. Ich wünsche euch das Glück als Wegbegleiter und weiterhin viel Spaß beim Lesen. 

Passt gut auf euch auf, das wünschen sich 

 Annette Langen und Felix

PS.: Felix sieht wieder so reiselustig aus. Ich sage euch, man weiß einfach nie, was dieser Kuschelhase als Nächstes ausheckt!

 Brief mit Foto